Trauer- und Verlustzustände
Der Verlust eines geliebten Menschen -
Der Verlust der Heimat - des Heimes ...
ist wohl die schmerzlichste aller Erfahrungen die wir im Leben machen dürfen und die darauf folgende Trauer ein ständiger Begleiter für die kommenden Monate.
Der Tod und das Sterben ist in unserer Gesellschaft oft ein Tabuthema obwohl niemand davor verschont bleibt. Oft sind es die Gefühle vor denen wir versuchen zu fliehen, da wir glauben diese nicht ertragen zu können. Und doch wird jeder einmal im Leben mit dem Tod konfrontiert.
Der Verlust der Heimat, des Heimes, eine Trennung kommen diesem Schmerz nahe, es entsteht eine Lücke, eine Wunde und tiefe Trauer.
Trauer und damit verbundener Schmerz sind normale Reaktionen. Damit wir dem Tod und dem Verlust sowie den damit verbundenen Gefühlen nicht hilflos ausgeliefert sind, möchte ich die 4 Phasen der Trauerbewältigung näher erläutern.
Die 4-Phasen der Trauerbewältigung
1. Phase: Nicht-Haben wollen
In dieser Phase wollen wir nicht wahrhaben, dass der von uns geliebte Mensch uns nicht mehr begleiten wird und uns verlassen hat, oder wir Zuhause verloren haben oder unsere Heimat. Wir stehen unter einem Schock und fühlen uns taub und leer und haben evtl. Schlafstörungen.
2. Phase: Aufbrechende Emotionen
Nun spüren wir den vollen Schmerz und Verzweiflung, wir haben die Hoffnung aufgegeben. Leiden unter Gefühlsschwankungen und sind hin und her gerissen. Die Sehnsucht nach dem geliebten Menschen, dem Zuhause ist unendlich groß. Wir haben Schlafstörungen, kommen nicht aus dem Bett. Wir verstehen nicht warum das Schicksal so mitspielt hat, uns alleine zurückgelassen hat und wir nun nichts mehr mit dem geliebten Menschen unternehmen können. Vielleicht ist es schwierig ruhig zu sitzen oder wir können uns kaum bewegen, können uns kaum von der Stelle rühren. Wir haben keinen Appetit oder essen wahllos das Essen in uns hinein. Wir fühlen uns erschöpft und antriebslos und die Symptomen sind ähnlich einer Depression. Vielleicht fühlen wir uns gereizt wenn jemand sein Beileid ausspricht oder helfen möchte. Die Gedanken kreisen ununterbrochen um den Tod des Verstorbenen oder des Heimes.
Diese Phase ist die schwierigste und somit die schmerzlichste aller 4-Phasen.
3. Phase: Neuorientierung
Wir beginnen uns nun nach außen wieder zu öffnen und neu zu orientieren. Wir verspüren wieder Freude und die Konzentration kehrt langsam zurück. Die Emotionen brechen nicht mehr massiv aus, trotzdem können wir noch starke Stimmungsschwankungen haben. Unser Schlaf-Wach-Rhythmus stellt sich wieder ein und der Appetit regelt sich auch wieder auf ein normales Maß.
4. Phase: Neuer Selbst- und Weltbezug
Wir verspüren ein neues seelisches und körperliches Gleichgewicht. Wir sehen nun vertrauensvoller in die Zukunft in der Gewissheit den geliebten Menschen, die Heimat immer im Herzen zu tragen und nie zu vergessen. Wir weiten den Blick auf das was uns an Erinnerungen geblieben ist. Wir suchen uns neue Lebensaufgaben, Ziele, Fähigkeiten und oder entdecken nicht gelebte Anteile die nun aufleben.
Hilfen zur Trauerbewältigung
Die Trauer dauert bei den meisten Menschen zwischen 3 bis 5 Jahren und ist wie eine Bergbesteigung bei der wir unten beginnen und oben mit einer neuen Lebensperspektive und Sinnhaftigkeit das Gipfelkreuz erreichen.
Es ist wichtig zu lernen mit den Gefühlen umzugehen und sie zu akzeptieren und nicht zu betäuben mit Tabletten, Essen oder Alkohol und wenn dann nur ganz kurze Zeit. Süchte behindern die Trauerbewältigung. Auch körperliche Beschwerden können Ausdruck von Trauerarbeit sein, sowie Schlafstörungen, unterdrücke die Gefühle nicht, lernen damit umzugehen.
Entspannungsverfahren können sehr gute Dienste leisten. Auch Gespräche können dazu beitragen um mit der Trauer und mit den Gefühlen gut umzugehen. Sich Unterstützung zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche oder psychischer Krankheit. Im Gespräch kann ich dich dabei unterstützen, ein vertieftes Verständnis und Klarheit für die Gefühle, Bedürfnisse, Werte und Bedeutungen zu erlangen um eigene Lösungswege freizulegen.
Vielleicht möchtest du dich einer Gruppe anschließen um sich auszutauschen oder schreibe ein Tagebuch über die Erfahrungen in dieser Zeit des Trauerns. Gehe kleinschrittig vor, nehme dir wenn möglich nicht gleich einen großen Umzug oder andere große Veränderungen vor.
Auch wirst du die Trauer nicht gut verarbeiten, wenn du dich in viele Aktivitäten flüchtest, die Verarbeitung braucht Zeit. Und doch ist Zeit nicht der alleinige Faktor. Rituale können helfen und Leichtigkeit verschaffen, damit die Trauer nicht in einer Depression endet. Stelle dir ein Bild auf und erinnern dich an die schönen Augenblicke die du gemeinsam hattest. Höre Musik, wenn nötig auch die ganze Nacht, Musik entspannt und ermöglicht Heilung.
Gestatte dir dich zu beklagen, zu weinen, zurückzuziehen, zu vernachlässigen, nicht zu schlafen - auch wenn die Gesellschaft erwartet, dass du stark sein musst. Du musst gar nichts. Auch wenn du hören musst: "Finde Dich damit ab!" - "Das Leben geht weiter!" - "Mach es Dir nicht so schwer!"
Trauern ist wichtig nur so können wir den Gipfel erreichen und zu neuer Lebensperspektive und Sinnhaftigkeit gelangen. Du wirst dich auf andere Weise verbunden fühlen mit deinen Lieben die gegangen sind, als hätten sie nur den Raum gewechselt.
Schenke dir Zeit zum Trauern, gehen diesen Weg achtsam und scheue nicht Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Ich freue mich auf deine Kontaktaufnahme!
